Stammfunktion & unbestimmtes Integral
Warum wir das Ableiten umkehren
In der [[Ableitung]] sind wir von einer Funktion zu ihrer Steigung gegangen. Oft brauchst du den umgekehrten Weg: Du kennst die Änderungsrate und willst die Funktion selbst zurück. Aus der Geschwindigkeit die zurückgelegte Strecke, aus der Wachstumsrate den Bestand. Genau das leistet die Stammfunktion.
Eine Stammfunktion von ist eine Funktion, deren Ableitung wieder ergibt:
Das Integrieren ist also kein neues, fremdes Rechnen — es ist das Ableiten rückwärts gelesen. Jede Ableitungsregel, die du kennst, wird hier zu einer Integrationsregel.
Warum das «» sein muss
Suchst du mit , ist eine Antwort — aber auch oder . Der Grund liegt in der Ableitung selbst: eine Konstante hat die Ableitung null. Beim Ableiten geht die Information über die Konstante verloren; beim Umkehren kannst du sie nicht zurückgewinnen. Also gibt es nicht eine Stammfunktion, sondern eine ganze Familie, die sich nur um eine Konstante unterscheidet:
Grafisch sind das lauter parallel verschobene Kurven — an jeder Stelle exakt gleich steil, also mit derselben Ableitung:
Die Grundintegrale
Jede Zeile ist eine Ableitungsregel rückwärts. Etwa : leitet man ab, kürzt sich der Faktor weg und übrig bleibt — genau der Grund für diese Form.
Warum ist die Ausnahme mit ? Weil die Potenzregel bei durch teilen würde — und genau diese Lücke füllt der Logarithmus, dessen Ableitung ja ist.
Linearität. Konstante Faktoren dürfen vor das Integral, Summen einzeln integriert werden (weil Ableiten dasselbe tut):
Kontrolle ist gratis: leite dein Ergebnis ab — kommt der Integrand heraus, stimmt es.
Übung 1
a)
b)
c)
d) Finde die Stammfunktion mit und . (Warum brauchst du die zweite Angabe?)
Das nimmst du mit
- Integrieren ist Ableiten rückwärts — jede Ableitungsregel gilt umgekehrt.
- Das «» ist Pflicht, weil Ableiten Konstanten vernichtet.
- Eine Zusatzbedingung ( an einer Stelle) legt das fest.
- Probe: Ergebnis ableiten muss den Integranden geben.