Die Ableitung
Die Ableitung misst, wie steil eine Funktion an einer Stelle ist — die Steigung ihrer Tangente. Das ist die Antwort auf «wie schnell ändert sich etwas gerade jetzt?»: Geschwindigkeit, Wachstumsrate, Grenzkosten. Und sie entsteht direkt aus dem Grenzwertgedanken von der Seite [[Grenzwerte]].
Warum ein Grenzwert nötig ist
«Steigung» kennst du von der Geraden: zwischen zwei Punkten. Aber an einem Punkt gibt es kein — teilte man , wäre man ratlos. Der Ausweg: Nimm einen zweiten Punkt im Abstand , berechne die Steigung dieser Sekante, und lass gegen null gehen. Die Sekante kippt dabei in die Tangente; ihr Grenzwert ist die momentane Steigung:
Genau deshalb ist die Ableitung ein Grenzwert — es ist die einzige Art, «Steigung in einem einzelnen Punkt» überhaupt sinnvoll zu definieren.
Rechnet man diesen Grenzwert für aus, wird . Das ist die Potenzregel in Aktion — man muss sie nur einmal aus der Definition herleiten, danach genügt die Regel.
Die Ableitungsregeln
Zwei Regeln sind fehleranfällig, wenn man das Warum nicht kennt:
- Produktregel ist nicht . Ändern sich zwei Faktoren gleichzeitig, tragen beide zur Änderung bei — einmal ändert sich (mal dem aktuellen ), einmal (mal dem aktuellen ). Daher die Summe .
- Kettenregel braucht den inneren Faktor. Bei reagiert die äussere Funktion auf ihre Eingabe, aber diese Eingabe ändert sich selbst mit der Rate . Beide Raten multiplizieren sich — der Faktor darf nie fehlen.
Dazu die Ableitungen, die man auswendig kennt:
Musterbeispiel (Produkt).
Musterbeispiel (Kette). : äussere Funktion , innere .
Übung 1
Leite ab:
a)
b) (Produktregel)
c) (Quotientenregel)
d) (Kettenregel)
Das nimmst du mit
- Ableitung = Tangentensteigung = Grenzwert des Differenzenquotienten (nur so ist «Steigung in einem Punkt» definierbar).
- Produktregel , weil sich beide Faktoren ändern — nicht .
- Kettenregel: der innere Faktor ist die Rate, mit der sich die Eingabe ändert — nie vergessen.