Illegale Immigration in die USA
Briefing, September 2026
Illegale Immigration in die USA, 1980–2026: oben die Zahl der Menschen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus, unten die Aufgriffe an der Südgrenze pro Fiskaljahr, hinterlegt mit den Amtszeiten der PräsidentenAuf einen Blick: In den USA leben rund 14 Mio. Menschen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus (Stand 2023, Rekordwert). An der Grenze zu Mexiko griff die Border Patrol im Fiskaljahr 2022 2,2 Mio. Mal Migrantinnen und Migranten auf, so oft wie nie zuvor. 2025 waren es nur noch 238'000, der tiefste Wert seit 1970.
Was auffällt
1980er: Amnestie und Rekordaufgriffe. Reagans Einwanderungsreform von 1986 (IRCA) legalisierte rund 2,7 Mio. Menschen und stellte die Beschäftigung von Personen ohne Papiere unter Strafe. Im gleichen Jahr erreichten die Aufgriffe einen ersten Höchststand (1,6 Mio.). Die Zahl der Menschen ohne Papiere wuchs trotzdem weiter.
1990er: Der grosse Zustrom aus Mexiko. Die Pesokrise, die Folgen des Freihandelsabkommens NAFTA und der Boom am US-Arbeitsmarkt trieben die Migration an. Die Zahl der Menschen ohne Papiere stieg von 3,5 auf 8,6 Mio. Gleichzeitig schottete die Operation Gatekeeper (1994) die Grenze bei San Diego ab. Die Grenzübertritte verlagerten sich in die Wüste Arizonas, und statt zwischen den Ländern hin- und herzupendeln, blieben mehr Menschen gleich in den USA.
2007–2019: Wende durch die Finanzkrise. Mit dem Einbruch am Bau versiegte die Arbeitsmigration aus Mexiko. Die Zahl der Menschen ohne Papiere sank vom Höchststand von 12,2 Mio. (2007) und blieb danach rund zehn Jahre stabil. Die Aufgriffe fielen auf einen Viertel. Nun kamen andere Menschen: Familien und unbegleitete Minderjährige aus Guatemala, Honduras und El Salvador. Sie stellten sich meist selbst der Border Patrol, um Asyl zu beantragen.
2021–2023: Rekord unter Biden. Nach der Pandemie schnellten die Zahlen hoch, getrieben von den Krisen in Venezuela, Kuba, Nicaragua und Haiti. Dazu kamen eine gelockerte Grenzpolitik und hohe Nachfrage nach Arbeitskräften. Die Pandemie-Regel Title 42 erlaubte sofortige Ausweisungen ohne Folgen, was zu vielen Mehrfachversuchen führte und die Aufgriffszahlen aufblähte. Die Zahl der Menschen ohne Papiere stieg in zwei Jahren um 3,5 Mio. Das ist der grösste Anstieg seit Messbeginn. Fast die Hälfte davon hatte allerdings einen vorläufigen Schutzstatus (Parole, hängiges Asylverfahren, TPS).
Seit 2024: Abrupter Einbruch. Den Anfang machten schärfere Kontrollen in Mexiko und Bidens Asyl-Beschränkung im Juni 2024. Trump setzte 2025 das Asylrecht an der Grenze praktisch aus und stationierte Militär. Seither liegen die Aufgriffe bei unter 10'000 pro Monat.
LesehilfeAufgriffe zählen Grenzübertritte, nicht Personen. Wer dreimal erwischt wird, zählt dreimal. Viele Menschen ohne Papiere kamen zudem gar nicht über die grüne Grenze, sondern blieben nach Ablauf ihres Visums im Land. Die grauen Punkte in der oberen Grafik sind Jahre ohne Schätzung und nur linear interpoliert.
Quellen
- Pew Research Center (21. August 2025): U.S. Unauthorized Immigrant Population Reached a Record 14 Million in 2023, inkl. Detailtabellen 1990–2023
- Warren, R. & Passel, J. S. (1987): A Count of the Uncountable: Estimates of Undocumented Aliens Counted in the 1980 United States Census. Demography 24(3), 375–393.
- U.S. Customs and Border Protection: Southwest Border Sectors – Apprehensions FY1960–FY2019
- U.S. Customs and Border Protection: Southwest Land Border Encounters (Datensätze FY2019–FY2026, Stand August 2026)
- House Committee on Homeland Security (13. November 2025): FY25 Southwest Border Apprehensions Hit Lowest Level in Half a Century