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Was verursachte die US-Inflation 2020–23?

Geschrieben 2024, während des US-Wahlkampfs.

Die Trump-Kampagne behauptet, Joe Biden habe die Inflation der Jahre 2020–23 verursacht. Bei der Recherche dazu bin ich auf dieses Paper von Ben Bernanke und Olivier Blanchard für die Brookings Institution gestossen. Sie argumentieren, der Hauptschub der Inflation sei nicht in erster Linie durch die expansive Fiskalpolitik zuerst von Trump und dann von Biden verursacht worden, sondern durch pandemiebedingte Preisschocks, die ausserhalb der Kontrolle der US-Regierung lagen:

Die Preisschocks kamen aus mehreren Quellen. Erstens hatten die meisten Ökonomen – wie andere Prognostiker auch (einschliesslich der Teilnehmer an den Rohstoff-Terminmärkten) – weder das Ausmass noch die Dauer des Anstiegs der Rohstoffpreise vorausgesehen, der 2021 begann. Über die vertrauteren (aber unerwartet grossen und anhaltenden) Schocks bei den Nahrungsmittel- und Energiepreisen hinaus führte die Pandemie selbst zu ungewöhnlichen Verzerrungen auf wichtigen Produktmärkten, etwa jenen für Neu- und Gebrauchtwagen. Eine starke Gesamtnachfrage und Verschiebungen in der Zusammensetzung der Konsumausgaben (z.B. von Dienstleistungen hin zu langlebigen Gütern) während der Pandemie trafen in einigen Sektoren auf Angebotsbeschränkungen und erzeugten so Engpässe und sektorale Preisanstiege, die nicht durch Preisrückgänge in anderen Sektoren ausgeglichen wurden. Diese sektoralen Ungleichgewichte zwischen Nachfrage und Angebot erwiesen sich als hartnäckiger und langlebiger, als viele erwartet hatten. Zusammengenommen sollten sich diese Preisschocks – bei gegebenen Löhnen – als die entscheidenden Auslöser des Inflationsanstiegs erweisen. (eigene Übersetzung)

Sie modellieren diese Effekte und versuchen abzuschätzen, welche Preisanstiege wie viel zur Gesamtinflation beigetragen haben. Hier die Grafik.

Zerlegung der Inflationsquellen 2020–2023 nach Bernanke und BlanchardZerlegung der Inflationsquellen 2020–2023 nach Bernanke und Blanchard

Die Abbildung zeigt eine Zerlegung der Inflationsquellen von 2020Q1 bis 2023Q1, basierend auf der Lösung des vollständigen Modells und den daraus abgeleiteten Impuls-Antwort-Funktionen. Die durchgezogene Linie zeigt die tatsächliche Inflation; die gesamte Nettohöhe der Balken entspricht der Inflationsprognose des Modells für die jeweilige Periode, ausgehend von den Anfangsbedingungen bis 2019Q4 und ohne die Effekte der Gleichungsresiduen. Der graue Teil jedes Balkens zeigt den Beitrag der Daten von vor 2020 (und enthält auch die Beiträge der Produktivitätsschocks). Die farbigen Segmente jedes Balkens zeigen den vollständig dynamischen, im allgemeinen Gleichgewicht berechneten Beitrag jeder exogenen Variablen zur Inflation in der jeweiligen Periode, wie er sich aus dem geschätzten Modell ergibt. (eigene Übersetzung)

Ausserdem ist vielleicht erwähnenswert, dass auch die langsame Reaktion der Federal Reserve nicht der US-Regierung anzulasten ist: Die Zentralbank ist unabhängig.

Sie erwähnen zwar, dass einige der expansiven Hilfspakete von Biden und Trump die Inflation mit angeheizt haben könnten, aber sie waren nicht das «Hauptereignis».

  • Trump, Dezember 2020: 900 Milliarden Dollar für Covid-Hilfen
  • Biden, März 2021: 1,9 Billionen Dollar für den American Rescue Plan
  • Trump, März 2020: 2,2 Billionen Dollar für den CARES Act

Insgesamt beliefen sich die ausgewiesenen Kosten dieser drei Fiskalpakete der Covid-Ära, gemessen am Anteil am BIP, auf rund das Viereinhalbfache des American Recovery and Reinvestment Act (ARRA), der als Reaktion auf die Finanzkrise von 2008 und die anschliessende Rezession verabschiedet worden war. (eigene Übersetzung)